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Rundreise

CapeTownPosted by LoopBack Sun, December 27, 2009 21:05:56
Klausuren, Reisevorbereitungen und die Reise selbst haben mich seit Ewigkeiten davon abgehalten endlich mal wieder hier zu bloggen. Aber da die meisten ohnehin nur Bildchen sehen möchten: bitte sehr! Eine Sammlung der Highlights unserer bisherigen Reise.

Wen der Verlauf unserer Reise genauer interessiert sollte mal bei Linas Blog vorbei schauen (für alle anderen: da gibt es auch noch weitere Fotos!).



Die Lagune von Knysna auf der Garden Route.


Robberg Nature Reserve bei Plettenberg Bay (auch noch Garden Route).


Dieser Wasserfall im Tsitsikama National ergießt sich erst in diesen Süßwasser-Pool und von dort aus über Terrassen direkt ins stürmische Meer.


Lesotho, das Berg-Königreich,...bereist man am besten - wie die meisten Einheimischen auch - zu Pferd oder Pony.


Der Sani-Pass zwischen Lesotho und Südafrika ist zwar nicht der höchste Pass Afrikas, aber sicherlich einer der spektakulärsten.


Auf der südafrikanischen Seite erwarten einen immergrüne Hügel, uralte Wälder und tausend Wasserfälle in den Drakensbergen.


Offenbar waren wir nicht die ersten, die in Giant's Castle am Fuße der Drakensberge waren.


Vier der "Big Five" im Kruger National Park. Dazu gehören normalerweise auch noch Wasserbüffel, die zwar auch spektakulär, aber weniger fotogen sind. Bilder auf Anfrage zusammen mit denen von Warzenschweinen.


Die "Three Rondavels", eine Felsformation im Blyde River Canyon westlich des Kruger, die lokalen Rundhütten ähnelt.


Der "Donnernde Rauch", wie die Einheimischen die Victoria Falls an der Grenze von Zimbabwe und Zambia nennen.


Und schließlich das tier- und pflanzenreiche Okavango-Delta in Botswana.



Beim nächsten Mal gibt es hoffentlich Bilder u.a. von der älteste Wüste der Welt, dem zweitgrößten Canyon der Welt und der "Mother City" bei unserer Rückkehr nach Kapstadt.

Babel

CapeTownPosted by LoopBack Tue, October 20, 2009 22:47:45

Es ist eine weit verbreitete Ansicht, dass man eine Fremdsprache am besten durch einen Aufenthalt im jeweiligen Sprach- und Kulturkreis erlernt. Aus diesem Grund werden jährlich zigtausende Schüler und Studenten von einer brummenden Austauschmaschinerie in die Welt hinaus geworfen, um das eigene Leben – vor allem aber den eigenen Lebenslauf – zu bereichern. Diese Austauschnomaden treffen im Ausland meist enttäuschender Weise nicht vorwiegend auf urige Einheimische, sondern auf ihresgleichen.


Wie Kieselsteine in einem unruhigen Flussbett werden die Austauschnomaden nun, vom kulturellen Durcheinander hin und her geworfen, nach und nach zu einer einheitlichen Norm geschliffen – den „Internationals“. Dieser Prozess braucht seine Zeit und ca. zwei Austauschprogramme, dann aber ist der ehemalige Nomade im globalen Dorf sesshaft geworden. Er war dann mindestens 2 Jahre im Ausland, spricht mindestens drei Sprachen, hat in mindestens vier Ländern gelebt und sein Small-Talk kommt mit höchstens fünf Themen aus (Woher kommst du? Was machst du hier? Wie lange bist du hier? Wo warst Du sonst schon? Sollen wir Nummern tauschen?). Sich selbst sieht er klammheimlich gerne als aufgeklärte, interkulturell interessierte Speerspitze der globalen Inteligentia, wobei die Anzahl der bereisten Länder direkt proportional zur eigenen Toleranz ist. Eine dem „International“ verwandte Art ist übrigens der „Backpacker“, dessen einziger Unterschied der ist, dass er im Gastland nicht an eine Schule oder Uni gebunden ist und deshalb seine ganze Zeit dem Erleben authentischer Eindrücke widmen kann, wie sie in seinem abgegriffenen Lonely Planet vorgeschrieben sind.

Beiden gemein ist, wie gesagt, der Hang zur Herdenbildung, was den Fremdsprachenkenntnissen eigentlich nicht gut tun dürfte. Es sei denn man verbucht es als Erfolg den knorrigen deutschen gegen einen beliebigen irgendwo-aus-Europa Akzent eingetauscht zu haben.

Aber tausende Personalchefs (die sich gerne Human Resource Manager nennen, falls sie selber mal ein „International“ waren) können sich nicht irren. Und ich will auch nicht unfair sein. Natürlich stimmt es, dass man eine Sprache ganz anders erlebt und erlernt, wenn man sich ständig in ihrem Wirkkreis aufhält. Der Aufenthalt in einer anderen Sprache hat aber noch einen weiteren Effekt, den man so kaum im Englisch- oder Französischunterricht vermitteln kann: der Alltäglichkeitsschleier, der die eigene Muttersprache umgibt, wird mit zunehmender Distanz durchsichtiger. Was man vorher nie hinterfragt, weil von der Wiege auf gelernt hat, kommt einem auf einmal besonders, eigenartig, vielleicht sogar einzigartig vor.

Ich hätte nie gedacht, wie sehr ich die deutsche Sprache in ihrer kalten Präzision vermissen würde. Aber ich tue es. In englischsprachigen Gesetzen oder Verträgen wird beispielsweise oft und gerne das Wort „shall“ benutzt. Ob das nun bedeutet, dass der Gegenpart etwas tun muss, etwas tun soll, oder etwas tun sollte bleibt dabei völlig unklar und ist – ebenfalls oft und gerne – Grund für Streitigkeiten. Wenn man Glück hat und es z.B. um einen völkerrechtlichen Vertrag geht, gibt es meist noch andere Übersetzungen, die diese englische Ungenauigkeit beseitigen können. Gerade die französische Übersetzung wird dazu gerne heran gezogen, wahrscheinlich weil Französisch einfach die Sprache der Diplomatie ist. Und das wiederum könnte daran liegen, dass Französisch zwar so schön wie ein blumiges Ornament ist, aber auch ebenso unübersichtlich. Die deutsche Sprache hingegen ist weniger wie ein Bild, als ein Konstruktionsplan: unübersichtlich und furchtbar kompliziert für den Laien, hingegen strukturiert und voll nützlicher Informationen für den, der sich damit auskennt – und das ohne unnötig Worte zu verlieren. Gerade die Eigenart, Wörter aus anderen nach Bedarf zusammen bauen zu können wie mit Legosteinen macht die deutsche Sprache zu dem, was dem verbreitetsten Vorurteil nach ihre Verwender ohnehin sind: gnadenlos effizient. Es stimmt: Deutsch klingt nicht so schön wie Französisch, sieht nicht so gut aus wie Arabisch, wird nicht so viel gesprochen wie Chinesisch und ist nicht so unglaublich wichtig wie Englisch. Sie ist weniger für Liebesgedichte gemacht, als für Cornflakes-Packungen. Denn wer auf einer solchen im südafrikanischen Supermarkt den unbeholfenen Hinweis

„[This package is sold by weight not by volume. Some settling of contents may have occured during shipping and handling.]“

entdeckt, wird vermutlich schmunzelnd denken: “[Füllhöhenschwankung transportbedingt.]”

Denn das ist wahre Leistungs-Lyrik.



Nicht immer so einfach, mit der Sprache... Vor allem in einem Land, in dem die Hauptverkehrssprache von fast niemandem muttersprachlich gesprochen wird. Da fühlt man sich doch direkt heimisch.

Bafana Bafana?

CapeTownPosted by LoopBack Wed, October 14, 2009 14:45:43

Diesmal also Island. Das heißkalte Inselchen mit nur 300.000 Einwohnern hat der nicht eben ruhmreichen Statistik der südafrikanischen Fußball-Nationalmannschaft Bafana Bafana eine weitere Schmach hinzugefügt. Ein gutes halbes Jahr vor der WM im eigenen Land schwankt Südafrika nun zwischen gekünstelter Vorfreude und frustriertem Desinteresse.

Während die Radiostation Good Hope FM vor jeder Nachrichtensendung tapfer die Tage zum Anstoß runter zählt ist die Stimmung auf der Straße eher gedämpft. Und das gilt nicht nur für die weiße Bevölkerung, die ohnehin eher die erfolgreichen Springboks (Rugby) unterstützt oder die Farbigen, die eher den Siegen der Proteas (Kricket) entgegen eifern. Auch unter der schwarzen Bevölkerung, in der der Nationalsport Fußball nicht nur geguckt und diskutiert, sondern vor allem oft, überall und mit Leidenschaft gespielt wird, bröckelt der Rückhalt. Eine meiner Kursteilnehmerinnen aus dem Township Khayelitsha hat es gestern so auf den Punkt gebracht: „Von wegen Unterstützung! Wir sollten die viel weniger unterstützen. Vielleicht merken die dann, dass man nicht einfach immer weiter so besch*** spielen kann!“

In dem Land, das eine der buntesten und schrillsten Wms aller Zeiten ausrichten sollte, wird Fußball mittlerweile zum nicht mehr gesellschaftsfähigen Thema. Wer gestern versuchte das Spiel gegen Island – eine der wenigen Chancen auf einen südafrikanischen Sieg – zu gucken, musste investigative Hartnäckigkeit besitzen. Bafana Bafana vs. Iceland wurde wie ein Staatsgeheimnis behandelt. Kein Einheimischer wollte von dem Spiel wissen, geschweige denn es sehen. Keine südafrikanische Internetseite gab die Anstoß-Zeit bekannt. In den Kneipen liefen statt Fußball SoapOperas oder Nachrichten auf Zulu. Auch auf unser Drängen hin konnte das nicht geändert werden – kein Fernsehsender, weder öffentlich noch privat, übertrug das Spiel oder auch nur Zwischenstände. Unbestätigten Gerüchten zufolge sollte es zwar auf einer unbekannten Internetseite einen Livestream des Spiels geben.... dem nachzugehen war es uns dann aber doch nicht wert. Statt dessen saßen wir in einer Sportsbar auf der Lower Mainroad, tranken ein Castle (das offizielle Bier von Bafana Bafana) und schauten die Live-Übertragung des Spiels Brasilien vs. Costa Rica – wohlgemerkt das der U20 Mannschaften...


Stell Dir vor es ist WM und keiner geht hin.



Aber auch ohne hochklassigen Fußball wird die WM in Südafrika ein Erfolg. Hier ein Alternativprogramm:

Die Mother-City vom Lionshead aus gesehen. Oben links LionsRump mit Signal Hill, daneben die City Bowl mit dem Financial District; unten links die City Bowl mit Gardens und den Ausläufern des Devil's Peak, rechts daneben die Stadteile Gardens, Tamberskloof, Oranjezicht und bereits Teile des Tafelberges...


... und endlich der Tafelberg in seiner ganzen Pracht.

schwarz-gelber Kontinent

CapeTownPosted by LoopBack Mon, October 05, 2009 11:42:55

Deutschland hat also gewählt. Und obwohl niemand Selbstmordanschläge, Repressionen, Überwachung oder auch nur Langeweile beim stundenlangen Schlangestehen fürchten musste war die Wahlbeteiligung – wieder mal – beschämend gering. Vielleicht ein Grund kurz inne zu halten und sich zu fragen, ob unsere Staatsform, die wir jedem aufdrängen, der nicht danach gefragt hat, wirklich so wunderbar ist. Knapp 30 Prozent der Deutschen scheinen da nicht so sicher...

Und diejenigen, die von ihrem demokratischen Recht Gebrauch gemacht haben, wollten mehrheitlich schwarz-gelb am Ruder sehen. Aus südafrikanischer Perspektive, artikuliert von einem Die Welt-Schreiberling in der aktuellen Ausgabe von Mail & Guardian, ist die sozialromantische Zeit von New Labour in Europa damit endgültig vorbei. „Merkel could be Germany's Thatcher“ wird freudig und ohne jeden Zynismus getitelt.

Wobei die aktuelle Finanzkrise nicht durch zu viel Staat, zu rigide Vorschriften, zu erdrückende Steuern oder zu strikten Kündigungsschutz ausgelöst wurde. Sie wurzelte vielmehr in einem von Gier befeuerten Streben nach Profit um jeden Preis – genau das, was ein homo oeconomicus in einem funktionierenden Markt tun sollte. Wer einen Dampfkessel immer weiter anheizt muss sich nicht wundern, wenn der schließlich explodiert – das liegt in der Natur eines Kessels. Und wenn er explodiert hat nicht der Kessel, sondern der Heizer versagt. Ungeachtet dessen, dass die Finanzkrise eigentlich die wirtschaftsliberale Agenda der FDP zu tiefst erschüttert haben sollte, wird stoisch das Mantra vom selbstregelnden Markt gebetet. Damit bietet sich die FDP immerhin als unbeirrter, standfester Fels in der Brandung an, auf den offenbar viele Wähler gebaut haben. Wer es in einer komplizierten Welt allerdings beruhigend findet, wenn jemand unbeirrt von vernünftiger, rationaler Argumentation bleibt und standfest die mit der eigenen Vorstellung verbundenen negativen Konsequenzen nicht erkennt, bzw. nicht anerkennt, der sei daran erinnert, dass so etwas gemeinhin einen Fanatiker ausmacht.

Aber was hat all das mit Südafrika zu tun? Nun ja: in gewisser Weise ist Südafrika fast eine wirtschaftsliberale Utopie. Kein kostenintensives Sozialsystem, so gut wie nicht vorhandener Kündigungsschutz, geringe Umweltstandards und wirtschaftsfreundliche Gesetzgebung bereiten die Arena der größten Wirtschaftsmacht südlich der Sahara. Dass es dazu kam war kein neoliberales Wunder, sondern der Preis der Freiheit.

Wie Neville Alexander in seinem Buch An Ordinary Country bemerkt verlief die Überwindung des Apartheidsregimes in Südafrika deshalb so glimpflich, weil es letztlich nicht mehr um die Verteidigung der weißen Vorherrschaft ging – dass diese über kurz oder lang an internationalem und demographischem Druck scheitern würde war den meisten weißen Entscheidungsträgern klar. Dies vor Augen ging es der alten Elite nur noch um die Verteidigung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse. Der Deal lautete: politische Rechte gegen Sicherung der alten Pfründe. Dieser Pakt wurde schließlich mit Geld begossen: den ehedem streitbaren Freiheitskämpfern wurde die Pforte ins goldene Reich des Luxus geöffnet. Sichtbarstes Zeichen dieser “Black Diamonds” sind ihre schweren Autos. Den Begriff “BMW” umschrieb ein Südafrikaner beim Gesellschaftsspiel Tabu so: “Wird von Ministern gefahren”. Die Antwort der Mitspieler kam prompt und richtig.

Dies alles ist kein wirtschaftsliberales Phänomen. Es ist aber nötig um zu verstehen, warum trotz der früheren Nähe des ANC zur kommunistischen Partei und dem Versprechen sozialen Umverteilung auf ihrer Fahne die auf Jahrhunderten von Separation und Ausbeutung fußende Verteilung von Wohlstand in Südafrika auch nach dem Ende der Apartheid nicht angetastet wurde.

Viele (westliche und weiße) Meinungsmacher behaupten, dass genau das der Grund für den wirtschaftlichen Erfolg Südafrikas sei. Anders als andere Länder hat(te) Südafrika in der Tat eine recht robuste Wirtschaft mit teils ansehnlichem Wachstum. Aber wem nutzt das? Anders als oft behauptet nutzt eine prosperierende Wirtschaft vor allem denjenigen, die bereits etwas haben: Kapital, Güter oder wenigstens Arbeit (wobei Arbeiter ohne Kündigungsschutz, Mindestlohn und sozialer Absicherung ihre wirtschaftliche Teilhabe eher geliehen bekommen haben). Und wer mehr hat, profitiert auch mehr vom Wachstum. Weil Südafrika 1994 mit dem Großteil der Bevölkerung als schwarze und farbige Habenichtse in die Freiheit aufbrach und diese historisch ererbte Ungleichheit nicht angetastet wurde, hat die südafrikanische Gesellschaft heute die größte ökonomische Ungleichheit der Welt. Aber es gibt einen kritischen Punkt, ab dem eine Gesellschaft ökonomische Ungleichheit nicht mehr kompensieren kann. Wenn die oberen und unteren Enden einer Gesellschaft immer weiter auseinander gezogen werden reißt irgendwann der stillschweigende Gesellschaftskonsens wie ein überanspruchtes Gummiband. Die Symptome einer derart zerrissenen Gesellschaft sind Kriminalität, Misstrauen, und mangelnde Solidarität – und Südafrika leidet daran mehr als die meisten Länder der Welt. Selbst Freunde aus Zimbabwe und Kenia – weitaus ärmere Länder als Südafrika – sind von den hiesigen Verhältnissen schockiert. Denn wer etwas hat flüchtet sich hinter Mauern, Nato-Draht, Gitter und elektrische Zäune vor denen, die nichts haben. Das Misstrauen aller gegen alle sitzt tief und ist ansteckend.

Wer glaubt gesellschaftliche Solidarität – vom Sozial- übers Gesundheitssystem hin zu Kündigungsschutz – sei ein Relikt aus wirtschaftlich besseren Zeiten, dem sei eine Reise nach Südafrika abseits der Game Lodges ans Herz gelegt. Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass wir in Europa deshalb nachts durch die Stadt gehen können, nicht jedes 2. Kind Opfer von Kriminalität ist und wir nicht ständig vor unseren Mitbürgern auf der Hut sein müssen, weil unser Gesellschaftskonsens noch nicht unter dem Druck ungleicher Verteilung zerrissen ist. Aber Tendenzen sind auch bei uns erkennbar. Der Sozialstaat hat einen Wert , der weit über materielle Absicherung des Einzelnen hinaus geht – für jeden von uns. Von hier unten aus habe ich den Eindruck, dass das im ruhigen Deutschland manchmal allzu leichtfertig vergessen wird.

Land und Landschaft I

CapeTownPosted by LoopBack Wed, September 23, 2009 10:53:46

Beim Durchlesen meiner letzten Blogeinträge drängt sich mir der Eindruck auf Südafrika – und Cape Town im Besonderen – sei… jedenfalls interessant. Ein Adjektiv, in dem mit der Neugierde auf Unbekanntes auch stets eine gewisse Zurückhaltung, die Angst und das Misstrauen vor Neuem lauern. Den antiken Chinesen, ohnehin ein eher beschaulicheres Völkchen, wenn man bedenkt, dass das Beamtentum (nicht Drachentöter) den höchsten Ruhm genoss, war das Interessante sogar so unheimlich, dass man es anderen anstelle der Pest (die europäische Variante) an den Hals wünschte: „Mögest Du in interessanten Zeiten leben!“ Der langen Einleitung recht kurzer Sinn ist, dass es außer den eher ambivalent-interessanten Dingen in Südafrika auch einfach nur Schönes gibt. Eine über den menschlichen Problemchen erhabene, atemberaubende Landschaft mit einer für Europäer geradezu aberwitzig reichen Tierwelt. Obwohl man auch in Cape Town Wolken über den Tafelberg fließen sieht und Perlhühner jeden Abend den Garten bevölkern wird man doch allzu schnell wieder von diesen Wundern Afrikas abgelenkt – durch den hupenden Minibus neben einem oder den bewaffneten Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma, der die Perlhühner mit seinem über reiche Grundstücke leckenden Scheinwerferkegel verscheucht. Will man also ungestört das nur schöne Afrika erleben, muss man dort hin fahren, wo weniger bis gar keine Menschen sind.

Letztes Wochenende haben Lina und ich so eine Flucht unternommen und wurden reichlich dafür belohnt. Durch die umliegenden Berge, die die Küste wie steinerne Wellen umgeben und zwischen sich große fruchtbare Täler bilden, fuhren wir zunächst in die Little Karoo. Dem Reiseführer nach sollte es eine Halbwüste sein, mit ihren saftigen Hügeln hatte diese Trockenzone aber eher sauerländischen Charme – wenn man von den Straußen am Straßenrand absieht. Diese kleine Enttäuschung wurde aber vollends durch die Fahrten durch eben jene umgebenden Gebirge kompensiert. Durch tiefe Schluchten roten Gesteins, das sich fast schon unwirklich gegen einen strahlend blauen Himmel abzeichnete, ging es weiter in Richtung Küste zum De Hoop Nature Reserve.



Dort, am Ende einer schier endlosen Staubstraße, eingerahmt zwischen mit Fynbos (dem hiesigen etwa brusthohen Buschbewuchs) bedeckten Hügeln, Sanddünen und dem Meer wurden wir erst einmal von einer Herde Kap-Zebras begrüßt, die sich ohne Scheu das Grasland neben der Straße mit Elans und Buntböcken teilten. Wir dachten zuerst unglaubliches Glück gehabt zu haben, aber weit gefehlt. Als wir am nächsten Tag eine Fahrradtour durch das Reservat zur Küste hindurch machten kamen wir an ganzen Herden von Wildtieren vorbei und durch eine besonders große Elan-Herde sogar hindurch. Die Strapazen sein geliehenes Mountainbike über von Jeepreifen geschlagenen Pfaden durch die trotz frischen Windes immer noch spürbare Hitze zu quälen sind schlagartig vergessen, wenn sich vor einem der Fynbos teilt und wahlweise Zebras, Bunt- und Springböcke, Strauße oder Paviane frei gibt. Und es sollte noch besser kommen.



Endlich am Meer angekommen hielt ich die vielen schwarzen Schatten vor der Küste zunächst für kleine Riffe – bis sich eines von diesen Riffen aus dem Wasser wuchtete und als massiger Wal wieder in die Wellen stürzte. Und es war nicht nur dieser eine Wal. Von den weißen Sanddünen aus bot sich einem ein Blick über mindestens ein Dutzend Wale, die mit ihren gewaltigen Flossen winkten, sprangen, prusteten oder sich einfach von den Wellen hin und her wiegen ließen. Ein unvergesslicher Anblick, der sich kaum auf Fotos festhalten lässt. Ich hab es trotzdem mal versucht.



Von der Fahrradtour und den Eindrücken erschlagen haben wir uns dann erst einmal eine halbe Stunde aufs Ohr gelegt. Eine Gelegenheit, die Diebe macht… Denn kaum waren wir aufgewacht sprang keine 30cm von unserem Bett entfernt ein großer Pavian auf und flüchtete durch ein von uns fahrlässig offen gelassenes Fenster in der Tür. Offenbar hatte der mit exquisitem Geschmack ausgestattete Allesfresser die Zeit genutzt, um die sündhaft teure Salami, unsere Kekse und einen Apfel als Nachtisch aus unserem Rondell zu stehlen und wurde gerade bei dem Versuch gestört sich an den Kühlschrank zu machen (der zwar leer war, aber woher soll der Affe das wissen?). Einen Kaffee zum wach werden brauchten wir beide nicht mehr – so ein Pavian direkt am Bett weckt Urinstinkte und Adrenalin. Ähnlich wirkt sich übrigens die Entdeckung aus, dass der Stein, auf dem man eben noch zum Picknick gesessen hat, eigentlich die Unterkunft eines Skorpions ist… Er war aber friedlich (hatte anscheinend eine lange Nacht) und hat sich sogar fotografieren lassen.



Am nächsten Tag wurde sich noch ordentlich von den Walen verabschiedet, dann fuhren wir weiter zum obligatorischen Touristenfoto am Cape Aghulas. Es gibt nun einmal Fotos, wie das Stützen des Turmes von Pisa oder der Biss in den Berliner Fernsehturm, an denen man nicht vorbei kommt. Selbst wenn das gehässige Stimmchen im Hinterkopf ständig „Tourist! Tourist! Tourist!“ äfft. Denn außer eben jenen Touristen, einem ganz netten Leuchtturm und – natürlich – dem südlichsten Punkt des Kontinents gibt es in Cape Aghulas eigentlich nichts zu sehen. Fotos haben wir natürlich trotzdem gemacht. Stimmchen hin oder her.



Wer zur Wal-Saison im De Hoop Nature Reserve war kann sich getrost den Umweg über die sog. Wal-Stadt Hermanus sparen, den wir trotzdem gemacht haben. Die zwei, drei Wale in der bebauten Bucht waren zwar an sich auch beeindruckend, konnten aber natürlich nicht im Geringsten mit dem De Hoop mithalten.

schwarz-weißer Regenbogen

CapeTownPosted by LoopBack Sat, September 05, 2009 17:33:09

Gut 15 Jahre ist es her, da hat Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu Südafrika feierlich zur Regenbogennation erklärt. Endlich sollte dieses Land, das über Jahrhunderte entlang der vielen Color-Bars zerrüttet war, friedliche Einheit in Vielfalt werden. Und wenn man bedenkt dass vor nicht einmal einem Vierteljahrhundert bürokratisch die Hautfarbe von Menschen wie mit der Ikea-Farbpalette bestimmt wurde (nur dass die Konsequenz nicht ein farblich misslungenes Sofa im Wohnzimmer, sondern über Wohlstand, Rechte und Bildung entschied) hat sich schon viel verbessert.

Trotzdem ist und bleibt die Hautfarbe in Südafrika ein ständiges soziales und politisches Menetekel. Ich erlebe hier selber das erste Mal wirklich wie ich Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe einschätze und selber eingeschätzt werde. Es braucht mehr als läppische 15 Jahre um den uralten Graben, den die seit 1652 andauernde Trennung entlang dieses offensichtlichen Merkmals hinterlassen hat, zuzuschütten.

Ein Beispiel, das Wellen bis nach Europa geschlagen hat, ist die Aufregung über den Sex-Test von Südafrikaner(in?) Caster Semenya. Kaum wurde mit ihrem Geschlecht auch die Legalität des südafrikanischen Sieges angezweifelt sahen hochrangige Regierungsmitglieder eine weiße Verschwörung gegen die schwarze Semenya, der man den Sieg nicht gönnen und sie mit rassistisch motivierten Verdächtigungen diskreditieren wolle. Auch wenn alle Südafrikaner (egal welcher Hautfarbe), mit denen ich gesprochen habe, diese Äußerungen für völlig daneben halten: das Misstrauen sitzt tief.

Und das nicht nur bei der schwarzen Bevölkerung. Diese Woche erhielt ein weißer Südafrikaner von Kanada den Flüchtlingsstatus zugesprochen, weil er in seinem Heimatland Opfer rassistischer Verfolgung sei. Diese Entscheidung hat zwar ebenfalls bei allen Südafrikanern (ebenfalls egal welcher Hautfarbe) Kopfschütteln ausgelöst. Trotzdem ist es nur die Spitze eines weißen Eisberges. Besonders Afrikaaner fühlen sich mittlerweile als benachteiligte Minderheit im eigenen Land, wirtschaftlich an die Wand gedrückt vom Black-Economic-Empowerment und täglich gefährdet durch schwarze Kriminalität. So unsinnig diese Gefühle sind – 80% aller Manager sind weiß und die weit überwiegende Kriminalität trifft die schwarze Bevölkerung – sie sind vorhanden.

Deshalb wäre es auch falsch die Geschichte dieses Landes, die nun einmal wie kaum eine andere von der Hautfarbe geprägt wurde, zu ignorieren und so zu tun, als wären mit Gründung der Südafrikanischen Republik alle Bürger farbenblind geworden. Sie sind es nicht. Andererseits birgt das ständige Beachten der Hautfarbe die Gefahr alte Wunden immer aufs Neue aufzureißen und so am heilen zu hindern. Von daher bleibt das Gleichnis Desmond Tutus treffend: Alle Farben schillern zwar einzeln, aber nur gemeinsam ergeben sie einen Regenbogen.



Ansichten aus Südafrika: die Waterfront, CampsBay mit den 12 Apostel, Sonnenuntergang an der Beach Road in Mouille Point (Cape Town)

Lernen und Lernen lassen

CapeTownPosted by LoopBack Sun, August 23, 2009 20:17:57
Es ist Sonntag. Draußen pfeift ein stürmischer Wind durch die Bäume, über den Ozean und durch die mangelhaft isolierten Fenster in unsere Wohnung hinein. Eigentlich sollte man dieses Wetter nutzen um Cape Point zu besuchen, den peitschenden Wellen am Strand zuzugucken oder sehr robuste Drachen steigen zu lassen. Aber mein Cape heißt heute Corporate Governance und um dem noch einige weitere Minuten zu entgehen nutze ich die Gelegenheit etwas über Lernen in Kapstadt zu schreiben.

An der Uni ist das anfängliche Chaos nicht stattfindender, über-, bzw. unterbelegter Kurse dem alltäglichen Chaos aus verschwindenden Workshops, stattdessen urplötzlich auftauchenden Lehrgängen und Kommunikationsproblemen gewichen. Wer sich die UCT als afrikanische Uni oder das, was wir in Europa dafür halten, vorstellt liegt allerdings weit daneben. Was Raumausstattung, Internetzugänge, Computerplätze und Arbeitsatmosphäre angeht tut die Uni Köln gut daran so weit weg zu sein – einen direkten Vergleich würde sie nämlich klar verlieren. Der Campus liegt im Norden der Stadt direkt unterhalb des Table Mountain und gliedert sich in drei verschiedene Teile. Der Upper Campus besteht größtenteils aus altehrwürdigen Gebäuden und erinnert sehr an amerikanische Elite-Unis oder das, was wir in Europa dafür halten. Die juristische Fakultät ist auf dem Middle Campus untergebracht und sieht aus wie eine Kreuzung aus praktischem Backstein-Bau, Tempelanlage und Gartencenter. Wie in Köln scheint sich auch hier die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass Fenster in Hörsälen nur ablenken. Da man hier entweder auf den Table Mountain, oder über die weite Fläche der Capeflats blicken könnte ist diese Befürchtung aber durchaus nicht unbegründet. Der Lower Campus ist weniger interessant. Er beherbergt alle möglichen kleineren Institute, Verwaltungsgebäude und vor allem das unieigene Fitness-Center.

Bilder: Upper Campus, Kramer-Law-Building (Lichthof), Kramer von außen


Jede Woche fahre ich von diesem exzellenzdurchklusterten Leuchtturm zu einer völlig anderen Stätte des Lernens: zum SHAWCO-Center im Township Khayelitsha. Dieser Township ist das größte in Kapstadt und liegt nur ca. 20 Autominuten von der Uni entfernt in Richtung False Bay. Dicht gedrängt leben hier gut eine Million Menschen in Holz- oder Blechhütten und, wenn sie mehr Glück und viel Geduld hatten, auch teilweise ordentlichen Ziegelhäusern (die Wartezeit für eine solche staatliche Unterkunft beträgt derzeit ungefähr 15 Jahre). Wasser und Strom, soweit vorhanden, müssen die Bewohner mit Prepaid-Karten bezahlen, die ganz ähnlich aussehen und funktionieren wie die fürs Handy. Wer es sich nicht leisten kann – und das sind viele – der heizt eben mit Holz. Zusammen mit der lebensmüden und oft illegalen Verkabelung des Stromnetzes ist das der Grund dafür, warum die eigentlich sehr feuchten CapeFlats immer wieder Schauplätze großer Brände werden. Keine ideale Umgebung um sich selbständig zu machen. Trotzdem (und weil es für die meisten die einzige Möglichkeit ist überhaupt etwas Geld zu verdienen) gedeiht in diesem Milieu ein ganz besonderes Unternehmertum heran. Aufopfernd bis zum Limit und mit verzweifelter Beharrlichkeit versuchen sie sich eine Existenz aufzubauen. Dabei werden diese Township-Unternehmer von der studentischen Organisation SHAWCO unterstützt, die ihnen die Grundzüge unternehmerischen Handelns vermittelt. Obwohl ich weder ein Experte im Marketing, noch in Preisanalyse oder Buchhaltung bin arbeite ich mich jetzt jeden Dienstag mit etwa 15 angehenden Unternehmern zwischen 19 und 48 und 1 weiteren Studenten 3 Stunden durch die trockene Theorie des erfolgreichen Entrepreneurs (man sieht wie viel das mit Zahlen zu tun hat!). Und wenn wir Glück haben wird mit unserer Hilfe bald die erste Pizzeria Khayelitshas’ eröffnet… Ich bin gespannt.



Nicht der Township, sondern das wohlhabende Camps Bay. Hier der Strand...

... und hier der Hang, an dem wir wohnen.

bittere Pille

CapeTownPosted by LoopBack Thu, August 06, 2009 12:54:08

Waren Sie schon einmal bei uns? Nein. Sind Sie Bluter? Nein. Haben Sie Allergien? Nein. Zahlen Sie bar? … Moment. Die Frage kannte ich noch nicht. Und doch bewirkte sie, wie sie sich fast schüchtern zu den anderen Fragen gesellte, dass ich meinen Besuch beim südafrikanischen Zahnarzt ganz anders wahrnehmen sollte. Bisher galten alle meine hektischen Gedanken, sobald sich der Stuhl surrend in eine Position irgendwo zwischen unbequem überkopf liegen und beinahe-von-der-Liege-rutschen bewegte, dem sicherlich nicht mehr fernen Schmerz. Nicht aber, wenn man umgerechnet „nur“ gut 150 Euro in der Tasche und die unschuldige Frage mit Ja. beantwortet hat. Jeder Handgriff der routiniert-gelangweilten Zahnärztin, die mir beruhigend oft ihr Tun erklärte, indem sie schlicht „Open!“ befahl, wurde von mir argwöhnisch auf versteckte Kosten untersucht. Betäubungsspritze? Kostet sicherlich ein Vermögen. Abgelehnt. Nein. Untersuchen Sie nicht alle Zähne. Nur den einen. Kenne ich diese Paste aus Deutschland, oder will sie mir eine unnötige, sauteure Reinigungspaste auf Silberbasis aufdrücken, um sich nach getaner Arbeit bei einem Cosmopolitan an der Waterfront über den „German Douchebag“ lustig zu machen, der ihr den Abend bezahlt? Mit diesen krämerhaften Gedanken ist nicht leicht klar zu kommen, wenn man von Zahnmedizin so gut wie gar keine Ahnung hat. Das ist letztlich aber auch besser. Denn ein eventueller Protest gegen die Cosmopolitan-Salbe wäre durch die Wattebäusche und Instrumente zwischen mir und meiner Sprache ohnehin nicht möglich gewesen. Das ständige Misstrauen – sicherlich nicht ganz unberechtigt, wenn ich an das ziemlich überflüssige Piccolo-Röntgenbild denke, das gemacht wurde – überlagerte jedenfalls zu jedem Zeitpunkt meine Angst vor Schmerzen. Hätte ich allerdings jemals Vertrauen zu Zahnärzten gehabt – es wäre spätestens mit diesem Besuch zerrüttet worden. Für mich steht jedenfalls fest, dass in der Beziehung zwischen Arzt und Patient die Sorge um das Geld weder auf der einen, noch auf der anderen Seite eine Rolle spielen darf. Es ist eine Sache, wenn mein aufgebocktes Auto einen überflüssigen Satz Winterreifen verpasst bekommt. Meinen Arzt zu belauern, ob er mir aus Profitgründen oder aus medizinischer Notwendigkeit eine Spritze in den Gaumen jagen will ist etwas völlig anderes.

Im Aufzug von der Zahnpraxis zurück zum Parkdeck stiegen zwei Farbige zu mir in den Fahrstuhl und fragten, ob ich – der ich offenbar immer noch 10m gegen den Wind ausländisch aussehe – vom Lufthansabüro käme. Als ich verneinte und mit rollenden Augen auf den Zahnarzt im 12. verwies, erwiderte er mein Grinsen mit mehr Lücke als Zahn als er sagte: „Sehr gut. Dann lassen Sie doch nächstes Mal, wenn sie zum Zahnarzt gehen, ihr Auto auf dem oberen Parkdeck waschen. Wir sind sehr gründlich.“ Auf einmal kam mir unglaublich schäbig vor. Statt der typischen mitleidigen Antwort, derer sich bei uns jeder Zahnarztpatient kurz vor oder nach seiner Behandlung sicher sein kann, wurde ich daran erinnert, dass der scharfe Medikamentengeschmack in meinem Mund für viele ein Luxus ist. Wie schon vorher geschrieben: eine allgemeine Krankenversicherung existiert (noch) nicht und wer es sich nicht leisten kann 100 Euro für einen halbstündigen Zahnarztbesuch zu bezahlen (mein Geld hat also gereicht), der muss es entweder in überfüllten und unterbesetzten öffentlichen Krankenhäusern versuchen, oder es gleich sein lassen. Der Autowäscher schien über diese gesellschaftszerreißende Ungerechtigkeit, als deren Symptom ich vor ihm stand, keineswegs verbittert. Im Gegenteil schenkte er mir beim Aussteigen noch ein aufrichtiges, zahnloses Lächeln. Wie wenig frühere und aktuelle Ungerechtigkeiten in den benachteiligten – d.h. schwarzen oder farbigen – Kreisen für Aufregung sorgen ist mir ohnehin ein großes Rätsel. Ich hätte nie gedacht, dass ein zugewanderter Kenianer gerne Afrikaans sprechen würde und über die koloniale Vergangenheit in Afrika schlicht sagt: „Was hilft das Leben in der Vergangenheit? Wir müssen nach vorne blicken. Hart arbeiten und das Beste aus uns machen.“ Ich frage mich wirklich manchmal, woher dieser Langmut kommt und warum es nicht im ganzen Land so zugeht wie in den Townships um Jo’Burg, die Polizeiwagen bewerfen und Mülltonnen anzünden, weil sie immer noch weder Wasser, noch Strom, noch Straßen, Krankenhäuser, Schulen oder Chancen haben…


P.S.: keine Sorge - Fotos kommen noch...

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