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schwarz-weißer Regenbogen

CapeTownPosted by LoopBack Sat, September 05, 2009 17:33:09

Gut 15 Jahre ist es her, da hat Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu Südafrika feierlich zur Regenbogennation erklärt. Endlich sollte dieses Land, das über Jahrhunderte entlang der vielen Color-Bars zerrüttet war, friedliche Einheit in Vielfalt werden. Und wenn man bedenkt dass vor nicht einmal einem Vierteljahrhundert bürokratisch die Hautfarbe von Menschen wie mit der Ikea-Farbpalette bestimmt wurde (nur dass die Konsequenz nicht ein farblich misslungenes Sofa im Wohnzimmer, sondern über Wohlstand, Rechte und Bildung entschied) hat sich schon viel verbessert.

Trotzdem ist und bleibt die Hautfarbe in Südafrika ein ständiges soziales und politisches Menetekel. Ich erlebe hier selber das erste Mal wirklich wie ich Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe einschätze und selber eingeschätzt werde. Es braucht mehr als läppische 15 Jahre um den uralten Graben, den die seit 1652 andauernde Trennung entlang dieses offensichtlichen Merkmals hinterlassen hat, zuzuschütten.

Ein Beispiel, das Wellen bis nach Europa geschlagen hat, ist die Aufregung über den Sex-Test von Südafrikaner(in?) Caster Semenya. Kaum wurde mit ihrem Geschlecht auch die Legalität des südafrikanischen Sieges angezweifelt sahen hochrangige Regierungsmitglieder eine weiße Verschwörung gegen die schwarze Semenya, der man den Sieg nicht gönnen und sie mit rassistisch motivierten Verdächtigungen diskreditieren wolle. Auch wenn alle Südafrikaner (egal welcher Hautfarbe), mit denen ich gesprochen habe, diese Äußerungen für völlig daneben halten: das Misstrauen sitzt tief.

Und das nicht nur bei der schwarzen Bevölkerung. Diese Woche erhielt ein weißer Südafrikaner von Kanada den Flüchtlingsstatus zugesprochen, weil er in seinem Heimatland Opfer rassistischer Verfolgung sei. Diese Entscheidung hat zwar ebenfalls bei allen Südafrikanern (ebenfalls egal welcher Hautfarbe) Kopfschütteln ausgelöst. Trotzdem ist es nur die Spitze eines weißen Eisberges. Besonders Afrikaaner fühlen sich mittlerweile als benachteiligte Minderheit im eigenen Land, wirtschaftlich an die Wand gedrückt vom Black-Economic-Empowerment und täglich gefährdet durch schwarze Kriminalität. So unsinnig diese Gefühle sind – 80% aller Manager sind weiß und die weit überwiegende Kriminalität trifft die schwarze Bevölkerung – sie sind vorhanden.

Deshalb wäre es auch falsch die Geschichte dieses Landes, die nun einmal wie kaum eine andere von der Hautfarbe geprägt wurde, zu ignorieren und so zu tun, als wären mit Gründung der Südafrikanischen Republik alle Bürger farbenblind geworden. Sie sind es nicht. Andererseits birgt das ständige Beachten der Hautfarbe die Gefahr alte Wunden immer aufs Neue aufzureißen und so am heilen zu hindern. Von daher bleibt das Gleichnis Desmond Tutus treffend: Alle Farben schillern zwar einzeln, aber nur gemeinsam ergeben sie einen Regenbogen.



Ansichten aus Südafrika: die Waterfront, CampsBay mit den 12 Apostel, Sonnenuntergang an der Beach Road in Mouille Point (Cape Town)