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Lasset die Spiele beginnen!

CapeTownPosted by LoopBack Tue, March 02, 2010 08:33:28

Noch 100 Tage (und ein paar Stunden) bis zum Anstoß der ®Fifa©-WM© in Südafrika! Und während noch geschäftig an Stadien und Mannschaftsunterkünften gewerkelt, „Public Safety Officer“-Westen an Parkwächter verteilt und die letzten Nicht-Sponsoren mit Klagen überzogen werden wollen wir uns den Luxus gönnen kurz inne zu halten und auch mal an Herrn Blatter zu denken...

Er war es immerhin - er allein - der „Die Spiele“® auf diesen gottverlassenen, rückständigen Kontinent gebracht hat und so seinen bescheidenen Teil zu Entwicklung und Weltfrieden beigetragen hat. Und wo wir gerade über Weltfrieden reden - da war doch noch was... Tue Gutes und sprich darüber, lautet seit jeher die Devise geschäftstüchtiger Samariter und deshalb war ich nicht verwundert als ich las, dass eben jener Herr Blatter (dem Schwarzafrika DAS Mega©-Event® seit seiner Entdeckung verdankt!) mit dem Friedensnobelpreis liebäugelt. Warum auch nicht? Wenn es neuerdings schon reicht nichts zu machen, um diesen Preis zu bekommen, dann kann man als umtriebiger Schweizer (also als Herr Blatter, Chef der weltumspannenden Hilfsorganisation ®Fifa©) wohl erst recht erwarten, dass man als humanistischer Vorkämpfer damit bedacht wird.

Aber ob Herrn Blatter (Freund und Förderer Afrikas®) der ihm zustehende Platz im Olymp der Friedensstifter auch anerkannt wird hängt auch vom reibungslosen Ablauf eben jenes Fußball©-Mega-Ereignisses ab, das den etwas heruntergekommenen Kontinent unterhalb von Europa mal so richtig auf Zack bringen soll. Und das könnte hier, im Gegensatz zu Deutschland, ein Problem werden - das weiß auch der Herr Blatter (Herrscher des mächtigsten Sportverbandes auf der ganzen Welt). Aber ewiger Ruhm ist nun mal nicht umsonst und niemand soll ihm hinterher vorwerfen können, er hätte sich den Weg nach Oslo mit mickrigen Wahlreden oder ein, zwei Kinderheimen erschlichen. Hier geht es um ganz andere Kaliber! Ein ganzes Land - ach was! - ein ganzer Kontinent muss auf Vordermann gebracht werden. Und weil denen hier unten einfach nichts zuzutrauen ist macht man das am besten mit altbewährten Partnern. Da weiß man wenigstens, was man hat.

Soll ja keiner „afrikanisches“ Bier aus Holzstümpfen oder so trinken müssen. Deshalb lässt sich der gute Kumpel Budwiser© (Haus-“Bier“Brauer der Fifa©) nicht lumpen und schifft dafür schönes amerikanisches Helles aus dem Heimatland der Demokratie über den ganzen Ozean rüber zu den Schwarzen. Und sollte das nicht reichen, weil die Engländer überraschend viel trinken, wird kurzfristig doch bei den Einheimischen nachgekauft - gegen Glasperlen, so hört man. Damit die Fußball©-Fans das aber nicht merken wird vorher penibel das Etikett abgeknibbelt. Billige Arbeitskräfte gibts hier ja genug. Und sonst wäre der gute Kumpel Budwiser auch bestimmt enttäuscht, der sich mit den ganzen Schiffen ja so viel Mühe gegeben hat.

Auch den Ticket©verkauf muss man an straffen Zügeln halten, damit alles nicht entgleitet. Für Afrika hat sich der Herr Blatter (IT Vorreiter und Visionär) deshalb was ganz besonderes ausgedacht: Internetverkauf! Das hat den Vorteil, dass man auf den Seiten nur „Deutschland© 2006“ gegen „Südafrika© 2010“ austauschen muss und vor allem, dass die hier unten endlich mal einen Anreiz bekommen sich PC-Kentnisse (und einen PC) zuzulegen. Kann ja nicht so schwer sein. So gut es gedacht war, leider hat der Herr Blatter (Fifa©-Filantrop) nicht mit der Faulheit der afrikanischen Massen gerechnet. Die wollen einfach nicht begreifen und kaufen weder PCs, noch Tickets und scheitern meist schon an der benutzerfreundlichen Startseite. Afrika, halt.

Neben der IT-Bildung steht für die ®Fifa© die Infrastruktur ganz im Vordergrund der Entwicklungshilfe. Und wer mal objektiv die Situation in Südafrika besehen hat dem war schon immer klar: was dieses Land braucht ist ein teures Nahverkehrssystem modernster Busse auf hochgelegten Spuren, hightech TV-Übertragungskapazitäten und ein halbes Dutzend riesiger Stadien, die mehr Leute fassen können, als ihr Standort Einwohner hat. Blatter sei Dank sind diese Prioritäten nun richtig gesetzt und es wird weniger Geld für Trinkwasserversorgung, Wohnprogramme und Gesundheitsfürsorge verschwendet. Dem Aufschwung Südafrikas als entwickelte Fußballübertragungsnation steht damit nichts mehr im Wege! Und wer sich dabei darüber beschwert, dass Südafrika kein menschenwürdiges Minimum an Trinkwasser mehr garantieren kann, der versteht das Große Ganze (also ihn, den Herrn Blatter) nicht. Außerdem kann der dann ja immer noch Bier trinken. Vorzugsweise Budweiser.

[ Brot gibts zwar nicht, dafür aber Spiele. Man kann halt nicht alles haben.]



Aber nur ein Land zu befrieden wäre für einen vom Schlage Blatters (Großmäzen des „runden Leders“®) noch viel zu wenig und reicht außerdem wahrscheinlich nicht für den Friedensnobelpreis. Gut, dass quasi automatisch auch die umliegenden Länder mitgerissen werden und die dort leidende Bevölkerung zu Frieden und Wohlstand geführt wird. So hat z.B. der Fifa©-Sonderemissär für Reisepakete (der nur zufällig Neffe Blatters des Großen ist) mit einem wohltätigen Geschäftsmann aus Zimbabwe (der nur zufällig Neffe des nicht ganz so großen Diktators Mugabe ist) einen lukrativen Deal ausgehandelt, damit auch im armen Nachbarland etwas vom üppigen Geldregen ankommt, der auf die ganze Subsahara-Region niedergehen wird. Vorzüglich.

Neben der Entwicklungshilfe steht aber vor allem der Spaß und die Sicherheit der Fans® ganz oben auf der Agenda von dem Herrn Blatter (der Weltmeister©-Meister, sozusagen) - vor allem von denen aus Oslo. Und weil Afrika bekannt für schlechte Qualität ist werden die Fifa©-TShirts und das Fifa©-Maskottchen® sicherheitshalber in Asien produziert. Die kosten dann zwar ein Vielfaches von dem, was der arme Südafrikaner monatlich zum Leben hat, aber das schillernde Plastikviereck mit dem Emblem von Herrn Blatters eigener Organisation (der Fußball©-Fifa) kann man wenigstens ehrfürchtig an den vorbeikommenden Touristen bestaunen. Und damit niemand in die Verlegenheit kommt lächerliche Draht-Schlüsselanhänger eines Straßenlümmels mit nach Hause nehmen zu müssen und sich statt dessen für originelle Tassen mit Fifa©-Aufdruck entscheidet, sorgt der Herr Blatter (der „Weiße Masai“) dafür, dass die so lange verklagt werden, bis sie sich gar nicht mehr aus ihren Wellblechhütten trauen. Ist sowieso besser fürs Stadtbild.

Die Bühne ist also weitgehend bereitet, die Welt fiebert mit. In 100 Tagen wird nicht nur zum Anstoß einer weiteren glorreichen Fußball©-Weltmeister®-Schaft gepfiffen, sondern zur Entwicklung eines ganzen Kontinents. Der Herr Blatter und seine Fifa© haben jedenfalls alles in ihrer beträchtlichen Macht stehende getan, dass es ein sportlicher und humanitärer Erfolg wird: Schwarzafrika muss diese Chance nur noch ergreifen. Aber selbst wenn außer einem Vorrunden-Aus für Italien nichts weiter bei dieser WM© herum kommen sollte wäre der Nobelpreis (also Friedens!-Nobelpreis) für den Herrn Blatter, der das alles möglich gemacht hat, noch nicht vom Tisch. Arafat, Peres und Rabin haben ihren ja schließlich auch bekommen...


[Tataaa: Zakumi, der (die? das?) nicht nur japanisch klingt, sondern auch wie eine Manga-Figur aussieht, präsentiert das Runde, das hinterher ins Eckige muss. Vorzugsweise dann aber nicht mit der Hand...]*


*Bild entnommen von http://oglobo.globo.com/blogs/africa10/


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